365 done for you posts? Alle deine Social Media Inhalte für einen Monat in nur zehn Minuten? Warum du die Finger von solchen Social-Media-Listen lassen solltest,

Social Media zu lieben und mich immer wieder neu inspirieren zu lassen, ist mein Job. Aber in den letzten Monaten musste ich hart für diese Beziehung kämpfen. Meine Liebe droht zu erlöschen. Denn was mir da so Tag für Tag in meinen Feed gespielt wird, langweilt mich zunehmend. Immerzu dieselben drei Tipps, inspirierenden Zitate und perfekten Fotografenbilder mit einer Business-Success-Story, die zeigt wie ein „Mindfuck“ überwunden oder die Komfortzone erweitert wurde.

Warum nur, scheinen so viele Beiträge auf Social Media austauschbar?

Mir ist bewusst, dass ich mich in einer Filter-Bubble befinde, in der sich Themen wiederholen. Aber ich habe mir sagen lassen, dass es in anderen Bubbles thematisch und auch gestalterisch ähnlich wenig kreativ vorgeht.

Nun kann euch ja herzlich egal sein, ob ich mich langweile. Was euch aber auch klar sein sollte ist: Niemand will GENAU BEI EUCH kaufen, wenn ihr klingt wie alle anderen.

Und ich habe eine Vermutung, woran das liegt, dass gerade so viel Einheitsbrei produziert wird.

Im Live-Lunch-Talk habe ich das Thema Einheitsbrei-Posts ebenfalls besprochen, falls du lieber ein Video siehst als zu lesen.

Zunehmende Professionalisierung setzt Social-Media-Neulinge unter Druck

Auch die Posts kleiner UnternehmerInnen werden immer professioneller. Sie legen sich Marketingstrategien zu und sind gut darüber informiert, was gerade jetzt gut funktioniert auf Instagram und Co. Das ist im Prinzip eine gute Entwicklung – und ich trage ja auch mit meinen eigenen Coachings und Kursen zu dieser Professionalisierung bei.

Das Problem dabei ist, dass sich Social-Media-Neulinge so überfordert fühlen von dem hohen Anspruch, dass sie dankbar auf Listen oder Pakete zurückgreifen mit Titeln wie wie „6000 Posting-Ideen für Yogalehrerinnen“, „400 Lückentext-Postings für Coaches und Berater“ oder „Dein fixfertiger Jahrespostingplan als Therapeut“.

Warum sich selbst viel Arbeit machen, wenn da schon Profis Bilder gestaltet und Texte geschrieben haben?

Kopierte Texte aus vorgefertigten Social-Media-Plänen wirken nicht

Weil Inhalte, die nicht deine Inhalte sind, niemals für dich wirken werden. Es sind nicht deine Worte, du verbindest sich nicht mit deiner Geschichte und deinen Erfahrungen und vor allem fehlt ihnen deine Energie. Wenn du vegane, fair-produzierte Turnschuhe verkaufen möchtest, nimmst du ja auch nicht einen Videoclip von Nike und änderst nur den Firmennamen, oder? Gut, dieses Beispiel ist vielleicht ein wenig sehr plakativ.

Aber lass mich das anhand von zwei Beispielen meiner Coachees erzählen, damit du das Problem besser fassen kannst. Nennen wir sie Laura und Sophie.

Laura hat, kurz bevor sie ein Coaching bei mir buchte, eine virtuelle Assistentin engagiert. Diese hat für sie einen anscheinend auf ihr Business (eine Massagetherapiepraxis) angepassten Social-Media-Redaktionsplan erstellt. Meine Kundin war begeistert, als sich ihre Wochen blitzschnell mit Themenvorschlägen füllten, die sich alle toll anhörten. Aber als es dann ans konkrete Schreiben der Texte für die Postings ging, kam der große Frust: „Ich will eigentlich überhaupt gar nichts über den Weltkindertag schreiben, auch wenn ich Kinder mag – mir fällt da gar nichts dazu ein.“

Die Social Media Listen sollen Zeit (und Geld) sparen – bewirken aber oft das Gegenteil

Die Themenideen waren einfach nicht aus der Kundin selbst gekommen und letztendlich hatte sie doppelte Arbeit und doppelte Kosten, weil sie dann mit mir einen Plan erarbeitete, der genau auf ihre Themen zugeschnitten war und zum Verkauf ihrer Produkte hinführte.

Sophie war bereits meine Coachingkundin, als sie plötzlich meinte, dass wir „den Themenplan getrost überspringen können“, weil sie von ihrer Ausbilderin ein Paket mit hunderten von Posts gekauft hätte, die direkt zu ihrem Thema passen. Diese könne sie einfach so verwenden.

Ich war etwas irritiert, weil der Themenplan ein fester Bestandteil meines Coachings ist. Aber ich folgte ihrem Wunsch, dass wir uns zunächst der Gestaltung ihrer Angebote zuwandten. Wir überlegten uns dort passende Pakete und Titel für die Präsentation auf ihrer Webseite und natürlich auf Social Media. Als mir klar war, welche Themen in ihren Angeboten stecken und wie sie damit ihren Kundinnen helfen wird, wollte ich ihren Redaktionsplan sehen.

Und leider bestätigte sich meine Vermutung: Auf dem Plan standen fast ausschließlich andere Themen. Sophie wollte also Mehrwert zum Thema x geben (einfach, weil  die Pots ja „fertig“ waren und „nur noch“ angepasst werden mussten) und danach einen Kurs über Thema y verkaufen. Damit macht sie sich nicht nur doppelte Arbeit (wer ohnehin so tief in einem Thema drin ist, dass sie/er Angebote dazu konzipiert, kann auch mit Leichtigkeit Social-Media-Posts darüber schreiben), sondern macht sich auch das Verkaufen richtig schwer.

Denn – auch hier sei mir die grobe Vereinfachung bitte verziehen: Wer deinem Instagram-Account wegen Tipps zur Gebissreinigung bei Pferden folgt, will vermutlich keinen Kurs über Sattelpflege kaufen. Auch wenn beides irgendwie mit Pferden zu tun hat.

Natürlich macht es Sinn, dass du herausfindest, wo du deinen Workflow in Sachen Social Media- und Contentmarketing verschlanken kannst und wo du etwas abgeben kannst (zum Beispiel an eine virtuelle Assistentin). Aber bitte spare nicht an der Zeit herauszufinden, welche Themen …

  • dein Warum, deine Werte und deine Persönlichkeit spiegeln.
  • neugierig machen auf deine Expertise und dein Angebot.
  • deine Wunschkundin mit ihren Bedürfnissen und Fragen abholen.

Wenn du diesen Schritt überspringst, wird deinen Posts die Tiefe und die Individualität fehlen. Und letztendlich verkaufst du so auch weniger, weil du im Einheitsbrei versinkst. Du siehst aus wie alle anderen auch.

Gibt es auch sinnvolle Einsatzgebiete für Social-Media-Listen und Vorlagen?

Für die volle Transparenz: Ja, ich habe vor einigen Jahren ebenfalls Listen mit Posting-Ideen an die Yogalehrerinnen in meinen Social-Media-Workshops verteilt und etwa 2017 als Freebie auf meiner ersten Webseite angeboten. Allerdings waren das noch völlig andere Zeiten. Gerade Yogalehrerinnen – die zu dieser Zeit meine Kernzielgruppe waren, konnten sich häufig nicht einmal ansatzweise vorstellen, was man in diesen sozialen Netzwerken denn so posten könnte. Es war ein Einstieg für Menschen, die noch fast keine Berührungspunkte mit Social Media hatten. Und genau für diesen Zweck können Listen mit Themenideen auch noch heute sinnvoll sein.

Außerdem nutze ich selbst bei etwa jedem 20. meiner Pots auch mal eine Formatvorlage für Canva. Diese vorgefertigten Designs können sehr praktisch sein als Grundlage, um sie dann mit den eigenen Farben und Schriften an sein Branding und seine Inhalte anzupassen. Ich empfehle sie allerdings inzwischen auch nur noch Content-Creators, von denen ich weiß, dass sie entweder

  • sehr gute TexterInnen sind und es letztendlich die Überschrift auf dem Bild ist, die die User neugierig macht.
  • oder solchen, die von Grund auf kreativ sind. Von denen ich weiß, dass sie sich die Vorlage sowieso so stark zu eigen machen, dass man sie nachher nicht mehr erkennt.

Sprich: Vorlagen können eine wunderbare INSPIRATION sein, wenn die Ideen zur Gestaltung der eigenen Inhalte grad mal knapp sind. Sie werden aber oft als Ersatz für die Beschäftigung mit den eigenen Inhalten präsentiert. – Und dafür taugen sie leider aus oben genannten Gründen wirklich nicht.

PS: Hast du Lust, deinen eigenen Themen stärker auf den Grund zu gehen? Dann melde dich gerne zu meinem kostenlosen Online-Workshop «Klinge wie DU, nicht wie alle anderen auf Social Media» an. Am Donnerstag, 21. Oktober widmen wir uns 2h lang deinen Inhalten und deiner Einzigartigkeit für besseren Online-Content. Außerdem stelle ich dir MISOMA vor, mein 12-Wochen-Programm zum Buch «Mindful Social Media Marketing» in welchem du deine ganz eigene Content-Strategie und deinen Workflow zur Contentplanung findest.