Barcamp-Erfahrung: Wie viel Spiel verträgt die Konferenz?

31. Mai 2026

Ein Barcamp ist eine Konferenz-Art für mutige Menschen. Denn du investierst in eine Business-Veranstaltung, ohne zu wissen, wer sprechen wird, was du lernen oder wie du profitieren wirst. Du lässt dich quasi auf ein Spiel ein. Und das in einer wirtschaftlich unsicheren Zeit, in der alle klare Versprechen und Garantien möchten. Nach meiner ersten Barcamp-Erfahrung glaube ich, dass es mehr braucht, von genau diesem spielerischen Ansatz.

Manchmal vertraut man eben einer Person

Fast 11 Stunden Zugfahrt pro Weg sind es von Basel nach Graz. Das bedeutet für mich: Hundesitting organisieren, vier Tage weg vom Schreibtisch sein und natürlich Hotel- und Barcampkosten. Ein ganz schön hohes Risiko, dafür, dass ich keinerlei Ahnung hatte, ob ich etwas Wertvolles für mein Business lernen werde.

Aber da ist halt auch Sara. Sara Menzel-Berger alias die Technikelfe vertraue ich seit Jahren die Technik in meinem Business an. Und jeder der online arbeitet, weiß: Das ist ein bisschen so, als würdet ihr einer Person erlauben, euren Schädel aufzuschneiden und an eurem Gehirn zu operieren. Ohne bedingungsloses Vertrauen geht es nicht.

Wenn also Sara ihr erstes Barcamp veranstaltet und mir sagt, dass sowas total cool ist … ja, dann komm ich natürlich.

Technikelfe Sara unterstützt mich seit vielen Jahren

So geht es: Das spielerische Barcamp-Konzept

Zu Beginn der Veranstaltung schlagen alle Teilnehmenden ihre Themenideen für Sessions vor. Diese Session können zum Beispiel sein:

  • Inputs, in denen ein Teilnehmender seine Expertise teilt
  • Workshops, in denen die Teilnehmenden etwas erarbeiten
  • eine Diskussionsrunde, in der eine Frage besprochen wird, die gerade viele umtreiben
  • und natürlich alle Mischformen dazwischen und darüber hinaus.

Du weißt also noch nicht, wer gleich die leitende Person sein wird – und darfst dich natürlich auch selbst mit Vorschlägen einbringen. Je nach Anzahl der Räume und Teilnehmenden wird dann noch abgestimmt, was in den offiziellen Räumen stattfindet und wer mit seinem Vorschlag auf Gespräche an der Kaffeemaschine vertröstet wird.

Das heißt auch: Es kann sein, dass du dich in manchem Stunden klonen möchtest, um in mehreren Räumen gleichzeitig zu sein. Und dann gibt es auch Stunden, wo dich gar nichts anspricht. Und ganz vielleicht machst du sogar die Erfahrung, etwas umsonst vorbereitet zu haben.

„Vergesst die Höflichkeitsregeln“, forderte Sara uns gleich zu Beginn auf. Und meine Barcamp-erfahrene Kollegin Jane meinte: „Du bist eh zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“ Ich erwischte mich trotzdem dabei, wie ich mich entschuldigte, als ich mal eine Session für ein Gespräch verlassen wollte. Und wie sehr ich mich gleichzeitig schämte und Sorge hatte, das Beste verpasst zu haben, als ich am zweiten Tag die erste Session schwänzte, weil ich noch etwas Erholung brauchte. (Die Erklärung dafür folgt noch 😉)

Große Spiellaune und jede Menge Erfahrungshunger auch in den Sessions

Von einem spielerischen Konzept fühlen sich ganz offensichtlich Menschen angezogen, die selbst gerne spielen. Denn schon in der allerersten Session durfte ich ans Lego Brett. Unsere Aufgabe war mit den Lego Serious Play-Steinchen zu zeigen, was wir uns vom Barcamp erhofften – angeleitet von Anna-Elena Stoehr. Die konzentrierte Stille, wenn 25 erwachsene Menschen versuchen komplexe Ideen in bunte Steinchen zu packen, war herrlich. Mein Ergebnis seht ihr hier und ich freu mich auf eure Ideen in den Kommentar, was wohl MEIN Ziel gewesen sein könnte.

Und auch in so vielen anderen Sessions wurde gespielt. Julia Marquart alias dein IT-Coach  hatte einen Cybercrime-Fall mitgebracht, den wir wie Detektive lösen sollten und nebenbei jede Menge über IT-Sicherheit lernten. Franziska Blickle ließ und unserer Schlagfertigkeit in reinen Fragedialogen trainieren, bis Lachtränen flossen. Im Nebenraum wurden derweil Bilder gemalt, die zum eigenen Seelen-Wort führten oder Marken-Düfte gemischt.

Und auch ich hatte ein Erfahrungsthema für meine Session mitgebracht: Freude am Schreiben erhalten (trotz KI). In meinem Workshop erlaubte ich mir selbst, mit einer neuen Rolle zu spielen: nicht die ganze Zeit die allwissende Dozentin zu sein, sondern vor allem einen Raum für positive Schreib-Erlebnisse zu schaffen und zu halten. Dafür habe ich erstmals Techniken aus meiner Ausbildung zur Schreibpädagogin angewandt und war ehrlich erstaunt und happy, wie gut sich das Neue in meine kurzen Inputs über unseren Schreibprozess und die Wirkung von Marketingtexten einfügte. Und als mir die Teilnehmenden später sagte, dass sie jetzt endlich wieder Lust hätten, mehr selbst zu schreiben, weil sie gespürt hatten, wie wichtig der Prozess ist, ist mir das Herz aufgegangen!

 

Noch nicht genug gespielt? Unser nerdy Rahmenprogramm

Tja und dann waren da natürlich noch die Abende. Schon am Vorabend des Barcamps hatte mir Julia von ihrer Cybercrime-Spielidee erzählt und ich habe sie und Jane ganz schüchtern gefragt, ob sie vielleicht auch Geocacher sind. Eigentlich wollte ich nämlich am ersten Abend bewusst noch niemand treffen. Weil ich auf Geocaching-Jagd durch Graz gehen wollte und nicht dachte, dass noch irgendwer so nerdige Spielchen spielt wie ich.

(Solltest du kein Nerd sein: Beim Geocachen sucht man mit Koordinaten oder Rätseln kleine Behälter an besonderen Orten und loggt sich ein, wenn man erfolgreich war. Mehr dazu erfährst du am besten auf der offiziellen Website von diesem weltweiten Spiel.)

Tja und was soll ich sagen: Wir haben uns sofort aufgemacht, den ersten Cache zu bergen. Und weil Spielkinder sich freuen, wenn sie sich begegnen, haben Jane, Franzi und Julia mich gleich noch für den kommenden Abend zu einem Escape-Room-Abenteuer eingeladen.

So kam es, dass wir nach einem langen Konferenztag plötzlich unschuldig in Gefängniszellen saßen und zahlreiche Rätsel lösen mussten, um dort auszubrechen. Ich hatte Bauchweh vor Lachen, weil wir uns ständig aufgeregt Zahlen, Himmelsrichtungen, Formen und Buchstaben zuriefen, die völlig zusammenhangslos erschienen. Aber irgendwer wusste IMMER etwas anzufangen mit Sätzen wie: „Den Nupsi in der Hoch-Runter-Reihe auf die Vier!“

Und wir haben es tatsächlich geschafft – nach 55 Minuten standen wir in der Freiheit. Vermutlich auch, weil Unternehmerinnen-Hirne an diesen Wahnsinn gewohnt sind. Immer wieder haben wir lose Fäden in der Hand und müssen damit neue Lösungen finden … das verschafft uns einen unfairen Vorteil bei solchen Rätsel-Spielen.

Und am letzten Abend gab es dann noch einmal einen besonderen Adrenalin-Kick für uns Spielkinder. Sara führte uns in den Schlossberg auf eine Rutsche.  Auf 175 Metern Länge haben wir 65 Meter Höhenunterschied in nur 35 Sekunden überwunden. Dabei war es immer wieder stockdunkel und gab verrückte Richtungswechsel. Wie sich das angefühlt hat? Ihr könnt mich hier hören …

Nur Spielerei, ohne klare Ergebnisse?

Meine innere Buchhalterin und die innere Strategin blicken mir nervös über die Schulter, während ich diese Zeilen schreibe:

„Ja, Bianca, ist ja schön, dass du Spaß hattest. Aber was hat das jetzt alles konkret gebracht?“

Also hört zu, Ladies: In den Pausen, Zweiergesprächen und in Andeutungen und Halbsätzen wurde deutlich, was wir eigentlich eh schon alle wissen: Die Zeiten sind verdammt hart. Viele der Selbständigen suchen sich gerade Nebenjobs, weil es nicht reicht. Oder gehen gleich ganz in die Festanstellung, weil sie unsicher sind, ob es ihre Dienste noch braucht. Oder sie schlagen sich mit hässlichen Rechtsstreits herum.

Die wirtschaftliche Krise, das Platzen (oder vielmehr leise Entleeren?) der Online-Bubble und der KI-Wahn sorgen dafür, dass viele unserer mühsam erlernten Marketing- und Verkaufstechniken nicht mehr funktionieren. Was jetzt greift? Oder gar künftig? Das finden wir gerade erst heraus! (Und wer dir erzählt, die Lösung schon gefunden zu haben, sollte das unbedingt beweisen, bevor du der Person viel Geld gibst …)

Wie findet man zu neuen Lösungen? Durch Spielen! Ausprobieren! Neugierig bleiben!

Es ist aber verdammt schwierig, in diesen Status zu kommen, wenn man um seine Existenz fürchtet und sich nur zum Jammern mit anderen trifft. Was dich in den Status bringt ist: einen Schritt zurücktun und mit anderen gemeinsam neue Erfahrungen machen.

Ich habe außerdem – wie nach jeder Konferenz – eine lange Liste mitgebracht an ganz konkreten To-Dos, die ich umsetzen und ausprobieren möchte.

Ich wäre aber gar nicht offen gewesen für diese neuen Ideen, wenn ich nicht richtig viel gelacht und gespielt hätte an diesen zwei Tagen. Das hat mich zurück in einen mentalen Status geführt von „Entschuldige, bitte? Wir sind alle verdammt cool und wir schaffen das!“

Und falls ihr euch fragt, was das schwarze Rad hinter mir auf dem Lego-Brett ist …

Ich habe mir vom Barcamp wieder Rückenwind gewünscht. Und diese spielerischen, leichten Tage haben mir genau das gebracht. Ich fühle den Rückenwind, weil ich nicht alleine bin. Rückenwind, weil ich neue Ideen gefunden habe und Rückenwind durch den Zuspruch für meinen Weg.

Wer hier für dich schreibt

Zur Autorin:
Bianca Fritz ist Content-Mentorin und und Copywriting-Expertin mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus und Werbeagenturen. Sie unterstützt Selbständige, Unternehmer*innen, sowie NGOs und Stiftungen dabei, mit wertebasiertem Contentmarketing wirksam sichtbar zu werden.
Mit Bianca arbeiten.

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3 Kommentare

  1. Franziska Blickle 31. Mai 2026 at 8:09 - Reply

    Oh wow, ist das treffend beschrieben! Ich muss es wissen, ich war ja auch da!

    Ich hoffe wir sehen uns bald wieder.
    Spätestens im nächsten Jahr.

  2. Diana Zenz 1. Juni 2026 at 12:30 - Reply

    So großartig, Dich in dem BarCamp persönlich kennen zu lernen. liebe Bianca. Ich fand den Austausch, das gemeinsame Spaß haben und sich gegenseitig inspirieren mega. Nächstes Jahr gehen wir dann gegenseitig in unsere Workshops ;-). Ich hatte Deinen gerne erlebt. Neue Chance nächstes Jahr. Hab eine feine Zeit, Diana

    • Bianca Fritz 2. Juni 2026 at 9:51 - Reply

      Oh ja, das würde mich auch sehr freuen. Ich hoffe, ich kann nächstes Jahr wieder dabeisein und bei dir Schnuppern kommen!

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