Wie wäre es, wenn wir uns im wilden Kampf um Aufmerksamkeit und Klicks an denen orientieren, die sich seit Jahrhunderten mit der Frage beschäftigen, wie sie Leser und Zuschauerinnen gewinnen und begeistern können? Ich weiß, verrückte Idee. Wo wir Content Creator*innen doch dachten, dass wir Inhaltsgestaltung komplett neu erfinden mit unserer Tanzerei in Reels und unseren Umfragestickern. Mit diesem Blogartikel will ich dir beweisen, dass es sich für dich lohnt, journalistische Basics zu erlernen. Denn ich habe das 20 Jahre lang getan – und filtere jetzt die wichtigsten Punkte für dich heraus. Wie die journalistische Brille deine Haltung gegenüber deinem Content verändert und diesen wertvoller und spannender macht, erfährst du … jetzt. Fein säuberlich gegliedert für dich als schneller Internet-Scanner-Leser*in.

1. Volle Verantwortung für deine Worte voraus!

Ob es dir gefällt oder nicht – wenn du Inhalte veröffentlichst, trägst du Verantwortung. Du beeinflusst Menschen mit dem, was du teilst und wie du es teilst. Anders als Journalist*innen hast du dich zwar nie einem Pressekodex verpflichtet, deine Inhalte müssen aber dennoch der Wahrheit entsprechen. Du kannst für die Verbreitung von Fake-News sogar juristisch belangt werden. Vor allem aber verlierst du Vertrauen deiner Community, wenn du Halbseidenes verbreitest. Damit deine Community das, was du erzählst, zuordnen kann, lernst du von Journalist*innen zum Beispiel, deine Quellen offen zu legen, ohne dass du dafür viele Zeichen oder Minuten brauchst und auch deine Meinung als solche zu kennzeichnen. A propos Community – für wen schreibst du eigentlich?

2. Ehre dein Publikum mit deinem Content – nicht deine Fachkollegen, nicht deine CEO!

Gerade Expert*innen fällt es oft schwer, so über ihr Thema zu schreiben, dass sie verstanden werden. Sie verlieren sich in Details und werfen mit Fachbegriffen um sich. Sie denken, dass sie über ihr Thema schnell mal was runterschreiben können und nicht mehr recherchieren oder die Perspektive wechseln müssen. Keine Vorwürfe an dieser Stelle. Das passiert uns allen. Was hilft ist, sich selbst wieder ein klein wenig mehr als Karla Kolumna zu sehen und sich zu fragen: Wie würde ich das Thema angehen, wenn ich es zum ersten Mal von diesem Thema hören würde? Welche Fragen würde ich stellen? Dann näherst du dich deinem Thema so, dass man dir Schritt für Schritt bei deiner Erkundung folgen kann. Vielleicht gibt es auch etwas, was du nicht einfach nur behaupten, sondern zeigen möchtest? Denn DAS macht deinen Inhalt erst so richtig interessant! Und damit es richtig interessant bleibt, brauchst du eine flexible Planung.

3. Dooooch … Content vorzuplanen und gleichzeitig aktuell zu reagieren, das geht!

Denk an deine Tageszeitung – oder vielleicht auch nur die deiner Eltern oder Großeltern. Die Seiten sind fast immer gleich aufgebaut. Dennoch sind sie gefüllt mit aktuellen Inhalten. Diese Mischung aus festen Formaten, die vorgeplant werden, aber auch aktuell mit neuen Inhalten gefüllt werden können, macht dich enorm flexibel. Zudem lässt sich auch dein Workflow so planen, dass aus einem Thema mehrere wertvolle Contentstücke werden. Du arbeitest dich dabei, vom längeren zum kürzeren Contentstück vor. So machen es auch Redaktionen. Zum Beispiel, indem du zunächst einmal beobachtest und beschreibst (wie in einer journalistischen Reportage), dann in einem kürzeren Contentstück die wichtigsten Inhalte und Botschaften gleich zu Beginn stellst (wie ein journalistischer Bericht), danach super verdichtete Inhalte hinterherschiebst. Wie zum Beispiel ein Reel, das eigentlich nur noch aus knackigen Überschriften besteht.

4. Du findest die Geschichte – egal, wie sehr dir das Thema schon zu den Ohren rauskommt!

Indem du in bestimmte Aspekte eines Themas heranzoomst, ein Thema mit einer konkreten Geschichte personalisierst, eine neue Perspektive einnimmst oder dich auf dem Zeitstrahl in Vergangenheit und Zukunft bewegst … die Techniken der Medienschaffenden, aus den immer gleichen Themen immer wieder neue Texte und Videos hervorzuholen, sind vielfältig. Und sie helfen auch dir zu erkennen, was für deine Community relevant ist. Oder wie du die Inhalte und Geschichten so erzählen kannst, dass sie wieder relevant und spannend werden. Denn deine Inhalte müssen die Zeit deiner Community wert sein – ansonsten brauchst du sie nicht zu veröffentlichen. Und richtig wertvoll und unterhaltsam werden die Inhaltsstücke dann durch die sprachliche Gestaltung, denn …

5. Du dirigierst die Aufmerksamkeit mit Headlines, Hooks und einer logischen Gliederung!

Statt einfach nur ein Like zu kassieren und deine*n Leser*in dann wieder zu verlieren, kennst du eine große Trickkiste an Gestaltungskniffs, die durch deinen Content führen. Denn nur so kann deine Botschaft auch wirklich ankommen. Es geht bei den Gestaltungskniffen darum …

  • mit knackigen ersten Worten in den Content hinein zu ziehen
  • mit Hooks und einem logischen Aufbau die Spannung zu halten und zugleich viele mögliche Einstiegspunkte für die zu bieten, die deine Inhalte EIGENTLICH nur überfliegen wollten.
  • Inhalte aus langen in kurzen Contentstücken so zu verdichten, dass die Botschaft ankommt
  • Call to Actions so zu gestalten, dass sie wie Headlines für das sind, wovon deine Community unbedingt mehr möchte.

6. Du laberst nicht. Du führst Interviews!

Heb dich ab, indem du deine Gespräche in Podcasts, Facebook-Lives und Co so führst, dass ich als Zuhörerin zu einem klaren Erkenntnisgewinn komme. Oder die Person, die vorgestellt wird, wirklich fühlen kann. Echte Interviews sind kein schnell und nebenbei produzierter Inhalt. Sie haben durchdachte Fragen und eine klare Gesprächsführung. Eine Kunst, die du erlernen kannst. Von Journalist*innen natürlich.

Stöhnst du jetzt gerade? Weil das nach viel Arbeit klingt? Schon klar. Aber du machst das ja alles auch nicht umsonst.

7. Wenn du Vertrauen aufbaust mit deinem hoch-qualitativem Content, will ich auch von dir kaufen!

Der Punkt ist selbsterklärend. Du verkaufst mir deinen Content – durch journalistische Gestaltung. Du baust Vertrauen auf, indem du Verantwortung für deine Inhalte übernimmst und sie so gestaltest, dass ich immer mehr von dir will. So dass ich dann auch mein Portemonnaie öffne. Lass mich an dieser Stelle noch ergänzen, dass auch Verkaufscontent besser funktioniert, wenn du die Geschichte suchst, die wichtig, neu oder interessant für deine Kund*innen ist. Erst der wertvolle Aha-Moment, dann der Pitch. Hier reichen sich Medienschaffende, die auf relevante Inhalte schauen und Conversion-Copywriter, die ihre Inhalte auf den Verkauf zuspitzen, also die Hand.

8. Dein*e Leser*in will sich nicht quälen – du aber auch nicht! Ein klarer Kriterienkatalog hilft!

Dem Sprachpapst Wolf Schneider, der die Sprache vieler Generationen an Journalist*innen geprägt hat, wird das Zitat zugeschrieben:

«Einer muss sich quälen, der der schreibt, oder der, der liest. Und der Leser hat keine Lust.»

Ich möchte ergänzen: Wenn Leser*innen von Printtexten schon keine Lust haben, sich zu quälen, dann hat das die Person, die durch einen Feed scrollt, erst recht nicht…

«Ohhhhh, ein Katzenvideo!»

Trotzdem muss Content zu erstellen keine Qual für dich als Content Creator*in sein. In Redaktionen gibt es Regelkataloge, wie man Dinge schreibt, wie man Videos schneidet, wie man kürzt und verbessert. Sie helfen dir auch, weil sie dir viele Entscheidungen abnehmen und deine Arbeit beschleunigen! Sowohl bei der Erstellung deines Contents, als auch bei der Überarbeitung. So dass deine Inhalte für deine Community zum erhellenden Vergnügen werden.

All die journalistischen Basics für dich kondensiert …

In meinem Buch «Content matters» findest du nicht nur diesen Kriterienkatalog, sondern du wirst auch in der Tiefe in all das eingeführt, was ich dir in diesem Blogbeitrag gezeigt habe.

Was hilft dir dabei, die Geschichten zu entdecken, zu gestalten und deinen Content zu planen? In «Content matters» findest du all die Tools dazu. Ich habe alles, was ich in 20 Jahren Redaktionserfahrung und meiner Ausbildung zur Redakteurin gelernt habe, auf den Prüfstand gestellt, ob es dir für deinen Content dient. Ich übersetze all das, was du brauchst, um deine Inhalte besser zu verkaufen und die Zeit deiner Community wertzuschätzen.

Seit 2017 arbeite ich als Beraterin für wertvollen und wirksamen Online-Content und biete in diesem Bereich Coachings, Workshops und mehrmonatige Programme an. Wie wertvoll mein journalistisches Wissen auch in diesem Bereich ist, wurde mir bewusst, als ich einer Kundin nach ihrem mehrminütigen Monolog 5 knackige Überschriften für spannende Posts zu ihrem Thema vorschlug. «Wie hast du das jetzt gemacht?», fragte sie verblüfft, als hätte ich irgendeinen Zaubertrick aufgeführt. Die gute Nachricht ist: Überschriften und Hooks zu finden ist keine Kunst, kein Talent – es ist eine der vielen journalistischen Techniken, die jede*r erlernen kann.

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Zur Autorin:
Bianca Fritz ist Autorin, Mindful Content Mentorin und hilft Selbständigen und Unternehmer*innen ihr Warum, ihre Botschaft und ihre eigene Sprache für ihren Online-Content zu finden. Außerdem unterstützt sie dabei, einen Workflow für Content zu finden, der zum Alltag der vielbeschäftigten Einzelunternehmer*innen passt.