Was genau fehlt KI-Texten, um glaubhaft zu sein?

9. September 2025

Wenn ich mit Onlineunternehmer*innen über meinen neuen Fokus auf Content- und Copywriting-Texte spreche, ernte ich oft skeptische Blicke: „Ich habe meiner Copywriterin gerade erst gekündigt – das macht KI genauso gut.“ Wenn das so ist, frag ich mich allerdings, warum ausgerechnet ChatGPT gerade einen menschlichen(!) Content-Strategist sucht. Und bereit ist mindestens 310k Jahresgehalt zu zahlen? Dieser Artikel möchte dir die feinen Unterschiede vor Augen führen. Und erläutern, warum gerade diese Feinheiten deine Texte glaubhafter machen als die von Chatty und Co.

ChatGPT schreibt überraschend gefühlvoll

ChatGPT behauptet Gefühle zu haben. Wenn ich die KI um eine Einschätzung bitte – und kein klares Bewertungskriterium angebe, schreibt sie gerne so Dinge wie:   „Das sagt mir mein Bauchgefühl.“ KI ist inzwischen ziemlich gut darin, uns Gefühle vorzugaukeln. Sie nutzt dabei genau die Wörter, die sie an möglichst vielen Stellen findet, an denen Menschen versucht haben Gefühle zu beschreiben. Und genau deshalb klingt sie oft wie ein Groschenroman. Sie schreibt von leuchtenden Augen, einem Druck auf der Brust und dem Kribbeln im Bauch. Wenn ich Chatty bitte, mir zu sagen, wie es sich anfühlt, einen Hund zu lieben, bekomme ich erst einmal eine Auflistung in Gefühlskategorien wie „Vertrautheit“, „Erddung“, „Sorge und Verantwortung“ und „Freiheit und Abenteuer“. Aber da mich das Programm schon recht gut kennt, bietet es von sich aus an, poetischer zu werden und Storytelling zu nutzen, so dass ich den Text auch in einem Social Media Post verwenden könne.

ChatGPT vs. Bianca: Hundeliebe im direkten Vergleich

Ich stimme zu und bitte Chatty, sich auf das Thema „Sorge und Verantwortung“ zu beschränken, weil ich da selbst schon eine Text-Idee habe und unsere Ergebnisse vergleichen möchte. Nach kurzem Rattern liefert Chatty folgenden Text. Am besten achtest du beim Lesen darauf, ob der Text etwas in dir auslöst.

Letzte Nacht bin ich hochgeschreckt, weil mein Hund anders geatmet hat. Ein tieferes, schwereres Schnaufen, das sofort mein Herz in Alarm versetzte. Ich saß da, lauschte in die Dunkelheit, eine Hand ausgestreckt zu seinem Fell.

Er öffnete ein Auge, so als wolle er sagen: „Alles gut, schlaf weiter.“ Und trotzdem blieb ich noch eine Weile wach, hörte zu, spürte, wie sich seine Atmung beruhigte.

Das ist Liebe zu einem Hund: Diese Mischung aus winziger Sorge und riesiger Zärtlichkeit. Dieses Bedürfnis, beschützen zu wollen – auch wenn er längst sicher schläft.

Auf den ersten Blick ziemlich gut, oder? Ich könnte jedenfalls jeden Satz so abnicken. Aber viel mehr passiert auch nicht, wenn ich den Text lese.

Hier kommt nun mein Text, wie ich die Sorge um – und damit auch die Liebe zu meinem Hund beschreiben würde. Bitte acht auch hier wieder auf dein Gefühl beim Lesen.

„Meinst du das ist warm genug?“ Wir haben für Sukhi die Wolldecke auf dem Rücksitz ausgebreitet und vorsichtig die Autotür zugezogen. Nun stehen wir in seinem toten Winkel und beobachten ihn heimlich. „Es ist doch besser, ihn jetzt mal allein zu lassen, oder?“ „Ja, er braucht wirklich Ruhe“, sagt mein Freund. Sukhi weiß noch nicht, dass er Ruhe braucht. Er steht mit den Vorderpfoten am Fenster und sucht uns. Aber dann wird gewinnt doch die Müdigkeit – er rollt sich ein, atmet tief aus. Ich ebenfalls. „Jetzt können wir gehen.“ Ich werde die Party an diesem Abend noch dreimal verlassen, mich zum Auto schleichen und vorsichtig mit der Handytaschenlampe hineinleuchten, nur um ganz sicher zu gehen, dass mein Sukhi-Röllchen nicht zittert.
Ich hoffe, dass du den Unterschied spüren konntest. Als ich kürzlich beide Texte vorgelesen und dann aufgeblickt habe, konnte ich die unterschiedliche Wirkung tatsächlich sehen. Ich habe also nachgefragt: Was war es? Was ist anders? Was berührt euch am menschlichen Text mehr? Die Antwort war ein herzliches: „Ganz einfach: Diesen Text GLAUBE ich dir.“ Nur was macht diesen Text eigentlich glaubhafter?

Warum wir Menschen glauben – und Maschinen nicht

Chatty und ich haben beide dasselbe Instrument genutzt: Storytelling. Wir haben uns also eine Szene gesucht, in der die Botschaft „Die Sorge um deinen Hund zeigt wie groß die Liebe zu ihm ist“ zeigt, anstatt es einfach nur zu behaupten. Vielleicht ist dir auch aufgefallen, dass Chatty zum Schluss noch erklärt hat, was er da gemacht hat. Warum er diese Geschichte erzählt hat. Er spricht die Botschaft noch einmal direkt an „das ist die Liebe zu deinem Hund“. Ein bisschen wie ein Zauberer, der seinen Trick am Schluss noch einmal erklärt. Manchmal mache ich das auch. Aber eigentlich ist das ein schlechtes Zeichen. Es zeigt, dass deine Geschichte noch nicht stark genug ist, um die Aussage zu machen. Hier hat mir mein Bauchgefühl (mein echtes! menschliches!) gesagt: Die Szene sagt das schon. Ich muss es für die Leser*innen nicht ausbuchstabieren. Wann immer ich das kann, belasse ich es bei der Szene alleine. Autor*innen sagen zu diesem Prinzip: Show don’t tell. Zeige es mir! Behaupte es nicht. Wenn Chatty sich nun auf die Suche nach einer Szene macht, die unsere Botschaft unterstreicht, nimmt er die wahrscheinlichste, naheliegenste. Logisch. Was soll die KI auch anderes tun. Sie hat ja auch keinen Hund. Ich hingegen habe Zugriff auf einen großen Pott an Szenen aus meinem Alltag. Auch ungewöhnliche. Ich brauche in meiner Geschichte mehr Platz dafür, dass die Szenerie Auto-Party klar wird, eben weil sie ungewöhnlich ist. Ein wirklich fühlbares Show don´t tell braucht ECHTE Erlebnisse. Denn diese sollen unsere Botschaft ja BEWEISEN. Und es ist ungemein schwierig, etwas mit einer erfundenen Geschichte zu beweisen. Denn wenn der Beweis unwahr ist, fühlt man das an Feinheiten. Wir lesen den gefälligen ChatGPT-Text und denken: JOAH, ist doch okay. Es ist schwierig, ihn anzugreifen, aber überzeugen und berühren wird er uns eben auch nicht.

Warum sind menschliche Texte für dein Unternehmen wichtig?

Gerade in den Branchen Dienstleistungen, Beratung, Coaching und Co braucht es für den Kauf ein Vertrauen in die Anbietenden. Und dieses Vertrauen sollen unsere Texte aufbauen. Es ist heute wahnsinnig leicht, einfach so zu tun, als würde man die Bedürfnisse von Kund*innen verstehen. Unser Hundebeispiel hat gezeigt, dass ChatGPT schon ganz gut nachahmen kann, wie sich die Zielgruppe vermutlich in ihrer jetzigen Situation fühlen. Kritische Kund*innen aber spüren den Unterschied, ob echtes Erleben, echte Expertise aus den Zeilen spricht. Sie können nicht den Finger darauf legen und sagen, was es ist – aber irgendwas macht diesen einen Anbieter GLAUBHAFTER  als seine Konkurrenz. Und diese Glaubhaftigkeit entsteht nur, wenn echte Erfahrungen in die Texte einfließen. Mehr noch: Wenn Empathie für die Situation der Kund*innen nicht nur geheuchelt ist, sondern aus einem echten Verstehen herrührt – und dem Wunsch entspringt, hier zu helfen. Unsere Texte müssen also BEWEISEN, dass wir nicht nur so tun, als würden wir jemanden verstehen. Da kommt es tatsächlich auf Feinheiten an – sie machen den Unterschied, den nur der Mensch spürt. Und sie sind auch deine Besonderheit beim Schreiben, die nicht ersetzt werden wird. Das alles bedeutet nicht, dass du nicht mit KI schreiben kannst. Sondern, dass du einfach sehr sorgsam darauf achten musst, WIE du dir von KI im Schreibprozess helfen lässt.  

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Zur Autorin:
Bianca Fritz ist Content-Mentorin und und Copywriting-Expertin mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus und Werbeagenturen. Sie unterstützt Selbständige, Unternehmer*innen, sowie NGOs und Stiftungen dabei, mit wertebasiertem Contentmarketing wirksam sichtbar zu werden.
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