Wer hat dir gesagt, dass du nicht schreiben kannst? Wie Schreibwunden entstehen – und heilen.

2. Februar 2026

Wenn du heute mit deinen Marketing-Texten kämpfst, kann das natürlich mit fehlendem Wissen über Textaufbau zu tun haben. Oder damit, dass du selbst noch nicht genau weißt, was du sagen möchtest. Oft aber liegt der Grund tiefer. Du traust deiner Schreibstimme nicht. Woher Schreibwunden kommen und welche konkreten Schritte bei der Heilung helfen.

Wer ohne negative Schreiberfahrung ist, werfe das erste Wort!

Der Held in der Kurzgeschichte brach auf in die See, um sein altes Leben hinter sich zu lassen. Ich schrieb in meinem Aufsatz, dass das ein bisschen so ist, als wenn man sich die langen Haare abschneidet. Es hilft, Altes loszulassen, um in einen neuen Lebensabschnitt zu starten.

Ich war 15 und mein Deutschlehrer gab mir eine 2 minus. Keine dramatisch schlechte Note, aber Deutsch war mein absolutes Steckenpferd. Und ich wollte verstehen, was ich falsch gemacht hatte. Also forderte ein Gespräch ein.

Der Lehrer meinte, dass ich doch meine profanen Erfahrungen als Teenager nicht mit der Lebenskrise des Protagonisten vergleichen könne.
Was bei mir ankam: „Deine Erfahrungen sind nicht wichtig genug darüber zu schreiben.“

Diese erste Schreibwunde hielt mich nicht davon ab, den Weg als Schreibende einzuschlagen. Einige Jahre später setzte ich mich unter fast 1000 Bewerbungen um vier Zeitungsvolontariate durch und schrieb mir in den Redaktionen die Fingerkuppen wund. Meine Texte kamen gut an und ich glaubte an daran „gut schreiben“ zu können. Aber es sollte bald schon der Moment kommen in dem meine recht gut verheilte Wunde wieder aufgerissen wurde.

Eine Schreibwunde kommt selten allein

Und eines Tages stand ein Kulturredakteur vor mir, zu dem ich aufblickte. Und fragte völlig unvermittelt: „Bist du eigentlich noch mit deinen Freund zusammen?“
Ich nickte.
Er schüttelte traurig den Kopf: „Also so wird das nie etwas mit deinem Roman. Du musst schon auch mal richtig Liebeskummer haben.“

Die Schreibwunde, die sich nun zur Ersten dazu gesellte oder diese vertiefte, war: „Du bist zu glücklich, um wirklich gute Texte zu schreiben.“

Vielleicht erkennst du dich in einer meiner Erfahrungen wieder. Wenn ich Menschen frage, wer ihnen eigentlich gesagt oder das Gefühl gegeben habt, dass sie nicht gut schreiben können, höre ich solche Geschichten:

  • Die Schwester, die sagte: Also DEIN Buch würde ich nicht lesen
  • Der Rotstift überall in deinem Aufsatz, weil du eine Rechtschreibschwäche hast
  • Der Punktabzug, weil du am Thema vorbei geschrieben hast.
  • Der Chef, der die kurze Würze deiner Briefings bemängelt und fragt, ob du nicht mehr zu sagen hättest
  • Der „schlechter Stil“-Kommentar am Rand deines linierten Blattes

Fast alle haben bereits Sätze gehört wie: Du schreibst zu lang, zu kurz, zu naiv, zu kompliziert, zu fehlerhaft. Und Kritik für Texte zu erhalten ist ja nicht per se etwas Schlechtes. Wann aber schadet sie mehr, als das sie nutzt?

Hilfreiche Kritik oder unnötig schmerzhafte Schreibwunde?

Ob die Kritik zu einer Schreibwunde wird, also zu dem Gefühl, dass du nicht schreiben kannst, hängt davon ab, wie häufig und wie konstruktiv die Kritik war, die du für deine Texte bekommen hast.

  • Hat man dir nachvollziehbare Gründe für die Kritik genannt und gezeigt, wie deine Texte besser werden?
  • Hast du anschließend die Erfahrung gemacht, zu wachsen, dank der Kritik?
  • Oder hat sie dich einfach nur abgewertet und hilflos zurückgelassen mit dem Gefühl, nicht gut genug zu sein?

Um noch einmal mein eigenes Beispiel zu bemühen: Die Kritik meines Deutschlehrers war wenig konstruktiv und half mir nicht beim Schreiben. Ich erinnere mich, dass ich ehrlich verwirrt war, weil andere Lehrpersonen das stets gelobt hatten: Dass ich eigene Erfahrungen einbrachte, zeigte doch, dass ich etwas Abstraktes auf mein Leben übertragen konnte? Diese positiven Erfahrungen konnten meine erste Schreibwunde abfedern. Zumindest bis die zweite Wunde kam.

Denn diese zweite Schreibwunde ging tiefer. Sie war ebenso wenig konstruktiv. Der Redakteur hatte ja noch nicht einmal einen Prosa-Schreibversuch von mir gelesen! Sondern nur journalistische Texte. Wie wollte er die Tiefe meiner Gefühle oder Erfahrungen beurteilen? Trotzdem trafen mich seine Worte. Dass ich bis heute noch keinen Roman geschrieben habe, obwohl der Wunsch immer da war, liegt vielleicht auch daran, dass ich lange glaubte, noch nicht genug gelitten zu haben. Dass meine Texte deshalb zu flach sein könnten, ich zu fröhlich und naiv – denn darin waren sich die beiden Kritisierenden ja auch einig.

Vor knapp zwei Jahre erhielt ich dann den schlimmsten Anruf meines Lebens. Ich musste mich einer neuen, tief leidvollen Lebensrealität stellen, die mich fast alles anzweifeln ließ, was ich bisher geglaubt hatte. Und neben dem Schock und der Trauer, räusperte sich eine leise schambesetzte Stimme in mir, die sagte: „Na, immerhin kannst du dann jetzt wohl Romane schreiben.“

Wie konnte ich nur so etwas denken in diesem Moment? Ich war plötzlich enorm wütend – auf mich, den Redakteur und den Lehrer.

Konkrete Schritte, wie du deine Schreibwunden verarzten kannst

Du siehst – selbst ich, die seit mehr als 25 Jahren als Journalistin, Autorin und Copywriterin ihr Geld verdient, habe meine Schreibwunden. Doch ich habe gelernt, mit und trotz ihnen zu schreiben. Auch das hilft, sie nach und nach verheilen zu lassen. Bis irgendwann hoffentlich auch meine Romane in deinem Bücherregal stehen werden.

Wie nun also umgehen mit den Schreibwunden? Zwei Wege helfen mir und meinen Kundinnen dabei – und hoffentlich bald auch dir: positive Schreiberfahrungen und Arbeit mit und an den Wunden.

1. Neue, positive Schreiberfahrungen machen

Negative Schreiberfahrungen lassen sich zum Teil  mit positiven aufwiegen. Veröffentliche deine Texte, obwohl du Angst hast. Und freue dich, über die, die du damit berühren kannst. Immer und immer wieder. Es braucht viele positive Erfahrungen, um eine negative auszugleichen.

Oder komm in einen Schreibkurs oder eine Schreibgruppe, wo du Sicherheit gewinnst – durch Schreibregeln und durch konstruktives und ermunterndes Feedback. Du könntest dich natürlich auch gleich für meine „Empathisch Texten“-Ausbildung anmelden, die im April startet, wenn du auch Sicherheit für deine Content- und Verkaufstexte gewinnen willst. Oder für eine Mitgliedschaft in meiner Text-Community Wortkost. In meinen Räumen wird so Feedback gegeben, dass es dich wirklich voranbringt. Wertschätzend und voll auf dein Wachstum ausgerichtet.

2. Dekonstruiere die Glaubessätze, die durch die Schreibwunde entstanden sind

Um hindernde Glaubenssätze aufzulösen, gibt es nicht den EINEN richtigen Weg. Du hast viele Möglichkeiten und kannst Verschiedenes ausprobieren. Vom Tapping über energetische Rituale bis hin zu Aufstellungsarbeit. Probiere aus, was dich anzieht. Mein Weg muss nicht deiner sein. Und trotzdem mag ich ihn dir natürlich detailliert vorstellen, weil er für mich so gut funktioniert – und du ihn vielleicht auch testen möchtet.

Ich wende regelmäßig die Methoden aus „the Work“ von Byron Katie an und ein hawaiianisches Vergebungsritual (Ho’oponopono). Das ist eine tolle Kombination, weil sich die eine Methode mehr mit dem Glaubenssatz an sich beschäftigt und die andere mit der Person beziehungsweise deinem Verhältnis zur Person, die sie ausgesprochen hat. Zusammen sind diese Methoden ein ziemlich unschlagbares Team.

So gehst du vor:

Schritt 1: Mach dir bewusst, was du glaubst – formuliere den Glaubenssatz aus, der dich beim Schreiben blockiert. Schriftlich natürlich. Diese Liste an Glaubenssätzen kannst du abarbeiten, um deine Schreibwunde zu heilen. Bei mir sind das zum Beispiel: „Meine Erfahrungen sind unwichtig“ und „Ich bin zu glücklich, um Texte mit Tiefe zu schreiben.“

Schritt 2: Nimm den Sätzen die Schärfe, indem du mit ihnen arbeitest. Mit der Methode „the Work“ hinterfragst du deine eigenen Glaubenssätze. Du antwortest auf folgende Fragen – ich zeige es dir anhand meines Beispiels:

Glaubenssatz aus der Schreibwunde: „Meine Erfahrungen sind nicht wertvoll genug sie aufzuschreiben.“

1. Ist das wahr? (Klar. Hat mein Lehrer ja gesagt.)
2. Kann ich ganz sicher sein, dass es wahr ist? (Naja, vielleicht nicht … wer sagt denn, dass seine Meinung die Richtige ist?)
3. Was passiert, weil ich das für wahr halte? (Ich erlaube mir nicht, xyz zu schreiben und beweise mir so immer wieder, dass der Lehrer recht hatte – offenbar ist das nicht wichtig.)
4. Dreh den Satz um – kann dieser auch wahr sein? Was passiert, wen ich das glaube? (Der umgedrehte Satz lautet: Meine Erfahrungen sind wertvoll! Na, das würde dafür sorgen, dass ich sie auch teilen sollte …)

Die Erkenntnisse aus dieser Übung können helfen, die Glaubenssätze loszulassen. Mach diese Aufgabe unbedingt schriftlich.

Aber dann ist da ja vermutlich auch noch ein Groll auf die Person, die dir diese Wunde zugefügt hat. Und auch dieser Groll verbindet dich unbewusst mit dem Glaubenssatz. Deshalb kommen wir nun zum letzten Schritt.

Schritt 3: Vergeben und loslassen. In der hawaiianische Vergebungsarbeit (Ho’oponopono), legst du den Fokus auf die Person, die dir diese Wunde zugefügt hat. Und du vergibst ihr und mehr noch dir selbst mit folgenden Sätzen:

1.Es tut mir leid.
2. Bitte vergib mir.
3. Ich liebe dich.
4. Danke.

Wähle die Reihenfolge, die sich für dich stimmig anfühlt, und füge gerne noch etwas hinzu, was es dir leichter macht, diese Sätze auszusprechen – eine Erklärung. Das ist besonders beim ersten Mal hilfreich. Denn ganz ehrlich: Vergebung ist nicht ganz einfach. Und oft sitzt der Groll so tief, dass dir erst einmal schlecht wird, wenn du die Sätze aussprichst. Es fühlt sich ein bisschen an, als würde man die Schuld auf sich nehmen. Aber es geht viel mehr darum, loszulassen, was dich zurückhält. In meinem Beispiel mit dem Redakteur könnte das dann so klingen:

1. Es tut mir leid, dass ich nicht sehen konnte, was du bezwecken wolltest, oder wie dieser Satz auch dir geholfen hat.
2. Bitte vergib mir, dass ich dir unterstellt habe, mein Schreiben zu blockieren.
3. Ich liebe dich, weil ich sehe, dass deine Worte auch deinen Schmerz zeigen.
4. Danke, dass du mir helfen wolltest, bessere Texte zu schreiben – oder vielleicht auch darauf vorbereitet zu sein, dass noch Leid kommen wird.

Vergebungsrituale sind nicht mit einem Mal erledigt. Je häufiger ich die vier Sätze ausspreche, umso weniger Zusätze werde ich brauchen. Bis ich die vier Sätze ganz ohne Erklärung sagen kann und merke, dass Schmerz und Groll weg sind.

Übrigens: Diese Arbeit ist simpel – aber nicht einfach. Und du wirst immer wieder vor ihr wegrennen wollen. Auch deshalb integriere ich sie in meine „Empathisch schreiben“-Ausbildung. Weil es einfacher ist, diesen Weg gemeinsam zu gehen.

Fazit: Schreibwunden erkennen, verarbeiten und endlich mit deinen Texten wirken

Ich fasse zusammen: Oft sind es Schreibwunden aus längst vergangenen Erfahrungen, die dich davon abhalten, die Texte zu schreiben, mit denen du wirken kannst. Schreibwunden hindern dich daran, dich schriftlich so auszudrücken, wie du es selbst gut finden würdest. Deiner Schreibstimme zu vertrauen. Schreibwunden entstehen, wenn Kritik so formuliert wurde, dass sie dir nicht geholfen hat, sondern dich grundsätzlich an deinen Schreib-Fähigkeiten zweifeln ließ.

Du kannst diese Wunden heilen, indem du ihnen positive Schreiberfahrungen entgegensetzt. Und indem du die Glaubenssätze bearbeitest, die aus der Erfahrung entstanden sind – zum Beispiel mit „the Work“ und Vergebungsritualen. Du kannst dabei nichts falsch machen und ich persönlich bin überzeugt: Viel hilft viel. Also fang am besten noch heute damit an.

Eine Kundin und Freundin schrieb mir neulich: „Was mich trotz Angst weiter schreiben lässt? Der Ruf meiner Seele, dass ich etwas zu sagen habe – und die Erfahrung, was ich bei Menschen bewirken kann, wenn ich mich traue.“

Ich bin überzeugt davon: Wenn dich das Schreiben trotz all der Wunden nicht loslässt und anzieht, zeigt, dass hier eine wichtige Erfahrung auf dich wartet. Und ich wünsche mir natürlich, dass du mit deinen Botschaften und Geschichten gesehen wirst! Dazu möchte ich mit meiner gesamten Arbeit beitragen. Auch mit diesem Artikel.

Meine Bitte an dich: Teile diesen Artikel mit Freund*innen, die sich auch noch nicht trauen, das zu schreiben, was längst gesagt werden sollte. Und heilt eure Schreibwunden gemeinsam.

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Wer hier für dich schreibt

Zur Autorin:
Bianca Fritz ist Content-Mentorin und und Copywriting-Expertin mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus und Werbeagenturen. Sie unterstützt Selbständige, Unternehmer*innen, sowie NGOs und Stiftungen dabei, mit wertebasiertem Contentmarketing wirksam sichtbar zu werden.
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